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Mein Hund knurrt mich an – Wie sollte ich darauf reagieren?

hund knurrt mich an

Mein Hund knurrt mich an und schnappt, wenn ich ihn streicheln will

Warum knurrt mich mein Hund an? Was sollte ich tun?

Hunde kommunizieren mittelhilfe von Lauten und Körpersprache. Dabei steht die Körpersprache der Lautsprache nie entgegen. Sie lügen nie. Knurrt der Hund, stellt dies in jedem Fall eine Warnung dar und dient dem Vermeiden eines Kampfes.

Der Mensch sah das Knurren des Hundes lange Zeit als Bedrohung, nicht als Warnung an. Er verstand nicht, dass der Hund in den meisten Fällen keinen Kampf sucht, sondern diesen vermeiden will.

Daraus folgte, dass die Hundeführer in jedem Fall das Knurren ihres Tieres zu unterbinden versuchten. Mit Befehl und für den Hund unangenehmen Konsequenzen untersagten ihm die Hundeführer das Anknurren.

Heute arbeiten gute Hundeführer anders. Sie versuchen auf das Tier einzugehen und Lösungen zu finden, die für beide Seiten Vorteile mit sich bringen. Sie hinterfragen ihr eigenes Verhalten und gelangen auf diese Weise zu mehr Lösungsmöglichkeiten.

Ist es ein schlechtes Zeichen, wenn mich mein Hund anknurrt?

Nicht jedes Knurren ist aggressiv, aber es stellt immer eine Warnung dar. Inwieweit ein Knurren als schlechtes Zeichen zu werten ist, hängt von der Situation und der Art des Knurrens ab.

Zwischen Warnung und Angriff gibt es mehrere Stufen, die der Hund durchläuft.

Dazu gehören:

  1. Die erste Warnung: Hierbei knurrt der Hund ohne gesträubtes Fell und steil stehender Rute. Er zeigt damit, dass ihm etwas nicht gefällt. Speziell beim Fressen oder während des Schlafens reagieren viele Hunde damit auf Störungen.Richtet der Hundeführer dem Tier zwei ruhige, ungestörte Plätze im Haus ein, kann er dieses Problem leicht beheben.
  2. Die Drohgebärde: In diesem Stadium knurrt der Hund tiefer und lauter. Er zieht dabei seine Lefzen hoch und zeigt die Zähne. Gegebenenfalls stellt er zusätlich das Nackenfell auf, um seinem Ärger mehr Ausdruck zu verleihen.Dieses Knurren erfordert schon Vorsicht, denn der Hund zeigt offen seinen Ärger. Ein solches Knurren stellt eine Bedrohung dar, dessen Grund der Hundeführer ernst nehmen muss. Ein Ergründen der Ursache und geeignete Maßnahmen zum Abstellen erweisen sich als wichtig, damit ein Zusammenleben weiterhin gefahrlos stattfinden kann.Als erstes Mittel erweisen sich das langsame Zurückziehen und ruhiges Einreden auf den Hund als hilfreich. Ein gut sozialisierter und in Unterordnung geübter Hund reagiert in vielen Fällen auf Befehl und Abruf seines Rudelführers mit Gehorsam. Er beruhigt sich durch die Ansprache und führt den Befehl ohne Beachtung der ursprünglichen Störung aus.
  3. Die letzte Warnung: Kurz vor einem Angriff zeigen sich die Reißzähne in voller Größe. Er sträubt das Fell vom Nacken bis zum Schwanz und stellt seine Rute steil. Der gesamte Körper wirkt wie gespannt und der Hund bringt sich für einen Angriff in Position. Dieses Stadium kann bei Nichtbeachtung zu einer lebensgefährlichen Situation führen. Langsames Entfernen vom Tier und leise, ruhige Worte helfen dabei, den Hund zu beruhigen und die Situation zu entschärfen.Schnell aufbrausende, unkontrollierte Hunde und Hunde ohne Erziehung reagieren schneller aggressiv, als Hunde, die in einer Familie aufwuchsen. Das Zurückziehen löst bei vielen dieser Hunde die Anspannung und sie beruhigen sich langsam.Einen solchen Hund aus den Augen zu lassen, kann allerdings zu fatalen Folgen führen.

Warum knurrt der Hund?

Das Betrachten der Situation in der, der Hund den Hundeführer oder ein Familienmitglied anknurrt erweist sich hier als besonders wichtig.

Als Beispiele für Situationen, in denen der Hund den Hundeführer anknurrt bieten sich folgende Szenarien an:

Der Hund knurrt, wenn der Hundeführer oder ein Familienmitglied ihn streichelt.

Dies kann darauf hindeuten, dass der Hund beim Streicheln Schmerzen empfindet.

Diese Art des Knurrens erscheint eher als warnender Hilferuf. Er zeigt an, dass etwas nicht stimmt und will den Streichelnden von sich fernhalten.

Ein Besuch beim Tierarzt oder Tierheilpraktiker kann abklären, inwieweit der Hund Schmerzen leidet und welche Krankheit vorliegt. Mit geeigneten Mitteln lassen sich Schmerzen lindern und Krankheiten lindern oder heilen.

Liegen keine körperlichen Probleme vor, kann es sich um ein psychisches Problem handeln. Ängste, wie die Angst vor der Hand oder vor zu erwartende Schmerzen stehen dabei oft im Vordergrund.

Streichel-Training unter Zuhilfenahme der Leine (Streicheln mit der Leine), ähnlich dem Streicheln eines Pferdes mit der Gerte), kann dem Hund zeigen, dass Streicheln nicht weh tut.

Der Aufbau von Vertrauen durch Spiel, Nähe und Streichel-Training führen in vielen Fällen schnell zu ersten Erfolgen. Unterstützend kann sich in schweren Fällen das Hinzuziehen eines Tierpsychologen oder Tierheilpraktikers als hilfreich erweisen.

Der Hund knurrt auf der Couch und will dem Hundeführer keinen Platz machen

In diesem Fall geht es um die Rangordnung. Ein Hund, der den Hundeführer als Rudelführer akzeptiert, verlässt die Couch freiwillig. Hunde, die ihren Rang noch nicht kennen oder diesen nicht akzeptieren, stellen sich knurrend gegen den Hundeführer oder das Familienmitglied, welches sie als im Rang niedriger betrachten.

Dieses Knurren stellt eine Warnung dar. Sie sagt aus, dass er sich als Rudelführer sieht und er mit niemandem den höheren Platz (die Couch) teilt.

Dieser Umstand fordert den Rudelführer und die Familie dazu heraus, den Hund mit Konsequenz in die Schranken zu weisen. An ihnen liegt es, ihm seinen Rang klarzumachen.

Dazu zählt, der altbekannte Spruch:“Einmal nein, immer nein!“

Unterordnungs-Training und mit der Familie gemeinsam aufgestellte Regeln für den Umgang mit dem Hund erleichtern das gemeinsame Leben.

Der Hund knurrt beim Streicheln, wenn er frisst oder schläft

Niemand lässt sich gern beim Essen oder Schlafen stören. Dem Hund geht es ähnlich. Er braucht einen ruhigen Platz zum Fressen/Trinken und einen zum Schlafen.

Der Hund knurrt, weil er sich gestört fühlt. Er knurrt als Ausdruck des Unbehagens und warnt den Störer, damit dieser ihn in Ruhe lässt.

Die Gesundheit des Hundes hängt ebenso vom artgerechten Fressen ab, wie von ausreichend, ruhigen Schlaf. Dies gewährleisten zwei ruhige Hundeplätze im Haus. Diese Plätze stehen dem Hund zum Fressen/Trinken und zum Schlafen zur Verfügung und liegen nicht in einem Durchgangsweg.

Hund knurrt grundlos und zeigt eine aggressive Körpersprache

Kein Hund knurrt grundlos, auch wenn wir dies im ersten Moment meinen.

Zeigt der Hund eine aggressive Körpersprache und knurrt, stellt dies eine klare Drohung dar. Er zeigt ganz klar seine Bereitschaft zum Kampf und scheut sich nicht dabei Zähne und Gewicht gezielt einzusetzen.

Der Grund für dieses Verhalten kann in seiner Vorgeschichte liegen, auf schlechten Erfahrungen beruhen oder aus der Situation heraus entstehen.

Die genauen Ursachen und Voraussetzungen für dieses Verhalten gegenüber dem Hundeführer zu klären erweisen sich in vielen Fällen als schwierig. Die Hilfe eines Tierheilpraktikers oder Tierpsychologen in Anspruch zu nehmen, kann sich als vorteilhaft für beide Seiten erweisen.

Wie vermeide ich am besten, dass mein Hund mich anknurrt?

Handelt es sich um einen Welpen hilft es, ihn mit Liebe, Geduld und Ruhe zu erziehen. Ihn auf seinen Rang in der Familie vorzubereiten und ihm spielend die Welt zu zeigen.

Als gute Tipps erweisen sich dabei, dass
  • auf Vertrauensbasis erzogene Hunde, mit festgelegten Hundeplätzen im Haus weniger erschrecken und auf ihr Rudel (ihre Familie) vertrauen.
  • Welpen-Spieltage und das Sozialisieren innerhalb der Familie durch Spiel und Spaß gute Grundsteine für einen nicht aggressiven Hund bilden.
  • konsequentes Erziehen in Zusammenarbeit mit allen Familienmitgliedern für eine stabile Rangordnung sorgen. Er lernt dadurch, dass auch das kleinste Kind im Rang höher steht als er.
  • ruhiges Sprechen mit dem Tier, ihm Vertrauen vermitteln und es sich schneller beruhigen kann. Das leise Sprechen und das ruhige Auftreten des Hundeführers vermitteln ihm Sicherheit und Geborgenheit.

Wie vermeide ich, dass der ausgewachsene Hund aus dem Tierheim mich anknurrt? Wie sollte ich darauf reagieren?

In diesem Fall gelten andere Regeln als bei einem Welpen, denn die Vorgeschichte dieser Hunde lassen sich nur selten rekonstruieren.

Hunde aus dem Tierheim, Straßenhunde und Hunde aus Notfallstationen erweisen sich in vielen Fällen als verhaltensgestört. Sie lassen sich schwer einschätzen und reagieren in den unterschiedlichsten Situationen in vielen Fällen schneller aggressiv, ängstlich und/oder unterwürfig.

Knurren sie, folgen sie nicht in jedem Fall dem natürlichen Ablauf von Warnung, Drohung, letzte Warnung und Angriff. Sie greifen in vielen Fällen schneller an und lassen die eine oder andere Stufe beim Vorbereiten des Angriffs aus.

Hilfreich erweist sich bei ihnen, wenn der Hundeführer die Tiere in jeder Situation genau beobachtet und gegebenenfalls professionelle Hilfe in Anspruch nimmt.

Hund knurrt mich an – Fazit

Für jedes Problem gibt es eine Lösung und für jedes Knurren einen Grund. Die Kommunikation der Hunde ist umfangreich und umfasst viele Facetten des Knurrens, Bellens und der Körpersprache.

Dem Hundeführer obliegt es zu lernen, wann und warum der Hund knurrt. Nur er alleine, kann dem Tier helfen seine Ängste, Aggressionen und Unsicherheiten oder Krankheiten zu überwinden.

Knurrt der Hund beim Streicheln, will er dem Hundeführer damit etwas sagen. Er will ihm zeigen, dass das Streicheln ein Problem für ihn darstellt. Der Hundeführer muss ihn beim Entfernen dieses Problems helfen und mit Rücksicht auf das Tier geeignete Maßnahmen ergreifen.

Einmal erkannte Ursachen lassen sich in vielen Fällen mit geeigneten Mitteln aus dem Weg zu räumen. Tierärzte, Tierheilpraktiker und Tierpsychologen stehen dem Hundeführer bei Ursachensuche und Lösungsfindung gern zur Seite.

In vielen Fällen hilft es aber schon dem Hund Vertrauen, Sicherheit und Geborgenheit zu vermitteln. Ihm ruhige Plätze im Haus anzubieten und beim Erziehen und/oder Sozialisieren darauf zu achten, dass geduldige Konsequenz und Einigkeit in der Familie herrschen.




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Kommentare

A. Zabel 3. Februar 2021 um 01:30

Unsere OEB Hündin, 5 Monate, springt ständig an mir hoch, umklammert mein Bein und will spielerisch beißen. Sie spielt manchmal sehr doll, sodass es ziemlich weh tut. Wenn ich dies klar und deutlich unterbinden will, reagiert sie kaum. Dann gibt es eine Auszeit und ich bringe sie auf den Hof. Kaum ist sie wieder im Haus, fängt sie sofort wieder an.
Auf meinen Mann hört sie besser.
Ich bin recht ratlos. Hundeschulen haben dank Corona geschlossen.

Antworten

Sabine 3. Februar 2021 um 10:57

Hallo,

wir haben einen Welpen, 3 Monate alt, und hatten das auch. Auf meinen Mann hörte er auch besser, da dieser strenger ist. Ich habe dann auch angefangen, strenger mit ihm zu sein – jetzt läuft es besser.

Dein Hund sieht dich als Spielpartner an und er muss erst akzeptieren, dass es nicht so ist. Das dauert natürlich etwas. Aber wenn du konsequent bleibst, klappt es.

Antworten

Peggy 3. Februar 2021 um 10:59

War bei uns auch ein riesen Problem und bei nem 25kg Hund wirds irgendwann ungemütlich. Ich weiß, dass meine Lösung nicht die beste war und die kam auch eher unbewusst. Hab ihm mit einer Wasserflasche die ich in der Hand hatte ins Gesicht gespritzt und siehe da….er macht es nur noch sehr selten

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