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Ruhestörung durch Hundegebell – Urteile, Sanktionen, Gegenmaßnahmen, Tipps

Nächtliche Ruhestörung durch Hundegebell

Nächtliche Ruhestörung durch Hundegebell – Urteile, Sanktionen und Gegenmaßnahmen

Circa zehn Millionen Hunde leben in Deutschland, die Familien beglücken und den Mensch zu einem täglichen Spaziergang motivieren. Die Vierbeiner schenken bedingungslos Liebe und freuen sich über Kleinigkeiten. Doch ein unerzogener Hund ist das völlige Gegenteil dieser Beschreibung, denn er terrorisiert nicht nur die Besitzer, sondern auch andere Anwohner. Besonders andauerndes Gebell ist nicht nur nervtötend, sondern kann auch eine Ruhestörung darstellen.

Ab wann gilt Hundegebell als Ruhestörung?

Hundegebell, Jaulen oder Winseln kann eine Ruhestörung darstellen, wenn es dauerhaft und zu einer bestimmten Uhrzeit geschieht.

Zwischen 22 Uhr und 6 Uhr sowie mittags zwischen 13 Uhr und 15 Uhr herrschen Ruhestunden/Ruhezeiten, in denen das Tier still sein muss. Selbiges gilt für Sonn- und Feiertage von 0 Uhr bis 24 Uhr. Bellt, jault oder winselt das Tier während dieser Uhrzeiten lautstark, handelt es sich um eine Ruhestörung.

Außerhalb der Ruhezeiten kann das Bellen, Winseln oder Jaulen auch als Ruhestörung gelten, falls der Hund dies länger als 15 Minuten am Stück von sich gibt. Darüber hinaus darf das Tier im Laufe des Tages insgesamt nicht länger als 30 Minuten lautstark bellen, jaulen oder winseln, da dies ebenfalls eine Ruhestörung darstellt.

Diese Uhrzeiten können jedoch von Bundesland zu Bundesland variieren und stellen keine strikte Regelung dar. Besonders die Mittagszeit ist heutzutage weniger ein Kriterium, als noch vor mehreren Jahrzehnten.

Was sollte ich tun, wenn Hundegebell zur Ruhestörung wird?

Falls der Nachbar oder ein Anwohner einen Hund besitzt, der dauerhaft bellt oder auch innerhalb der Ruhezeiten mehrmals lautstark stört, ist der erste Schritt ein Gespräch. Es besteht immer die Möglichkeit, dass unvorhergesehene Ereignisse beim Hundebesitzer eingetreten sind, weshalb das Tier bellt. Darüber hinaus ist die Beziehung zu Nachbarn entscheidend, denn diese informieren die Polizei, falls in der eigenen Wohnung eingebrochen wurde oder helfen aus bei Kleinigkeiten. Falls dieser Schritt jedoch keine zufriedenstellende Ergebnisse hervorbringt, sollte das Ordnungsamt verständigt werden.

Wann kann das Ordnungsamt eingeschaltet werden?

Das Ordnungsamt kann entweder nach einem Gespräch mit dem Nachbarn oder direkt eingeschaltet werden, falls eine Ruhestörung nach den dargestellten Kriterien vorliegt. Hierfür meldet sich der Betroffene per Mail oder telefonisch beim Amt und schildert sein Anliegen, um Anzeige zu erstatten. Dabei ist ein Lärmprotokoll hilfreich, dass das Hundegebell bestenfalls auf Video festhält, sodass feste Beweise gegen den Hundehalter vorliegen.

Kann es eine Anzeige oder Abmahnung geben? Welche Urteile gibt es?

Eine Anzeige wegen Ruhestörung/Lärmbelästigung oder eine Abmahnung durch den Vermieter ist bei häufigen Anrufen an das Ordnungsamt oder den Vermieter nicht unüblich. Dagegen kann der Hundebesitzer jedoch vorgehen und sein Anliegen beim Ordnungsamt schildern, um das Bußgeld zu verhindern. Falls das Ordnungsamt weiterhin auf dem Bußgeld beharrt, muss der Hundebesitzer vor Gericht gehen. Die Ruhestörung durch Bellen ist zwar in den Ruhezeiten festgelegt, aber es existiert kein Gesetz, das diese Regel festschreibt. Das heißt, dass sich Richter bei der Urteilsfällung an bisherigen Urteilen und an den Faktoren vor Ort orientieren.

Dabei spielen folgende Faktoren eine Rolle:
  • subjektiver Eindruck des Hundehalters
  • mögliche Audio- und Videoaufnahmen
  • die Hunderasse
  • das Viertel
  • weitere Lärmquellen, die das Hundegebell imitieren oder auslösen

Ein Hund, der auf dem Land bellt und dessen Bellen nur in der Ferne zu hören ist, stellt weniger eine Ruhestörung dar, als ein Hund, der in der Innenstadt ein Mehrfamilienhaus terrorisiert.

Welche Sanktionen können auf Hundehalter zukommen?

Mögliche Sanktionen sind vielfältig und abhängig vom Ordnungsamt oder dem Vermieter. Der Vermieter kann mit der Kündigung der Wohnung drohen oder diese Kündigung sogar ausschreiben. Darüber hinaus darf der Vermieter Schadensersatzansprüche geltend machen, die durch die Ruhestörung des Hundes zustande kamen, denn andere Mieter dürfen eine Mietminderung wegen des Hundes geltend machen. Hinzu kommt, dass der Hundehalter den Hund möglicherweise abgeben muss, falls er nicht umziehen möchte oder vor Gericht verliert.

Warum bellen Hunde?

Damit der Gestörte nachvollziehen kann, warum der Nachbarshund möglicherweise bellt und sich erst ein Bild von der Situation machen möchte, sollte er zuerst verstehen, warum Hunde allgemein bellen. Folgende Faktoren können das Bellen beeinflussen oder hervorheben:

Die Rasse

Das Bellen ist der Ausdruck einer Emotion oder auch das Reden eines Hundes. Während manche Hunde mehr ,,reden“, ähnlich wie Menschen, reden andere Hunderassen weniger.

Hunderassen, die häufiger bellen sind:
  • Beagle
  • Foxterrier
  • Terrier und Yorkshire Terrier
  • Zwergschnauzer
  • Chihuahua
  • Pekinesenn
  • Zwergpudel und Toy-Pudel
  • Schäferhunde
  • Möpse
  • Spitze

Hunderassen, die seltenst bellen, sind die folgende:

  • Doggen
  • Bernhardiner
  • Eurasier
  • Irische Wolfshunde
  • Golden Retriever
  • Französische Bulldoggen
  • Labradore
  • Rottweiler
  • Chesapeake Bay Retriever
  • Akita Inu
  • Bloodhound

Der Charakter

Neben Rassen, die häufiger bellen als andere, spielt auch der Charakter des einzelnen Hundes eine Rolle. Dieser kann beschützend sein, sodass er beim Klingeln den Besitzer vor einem potenziellen Angreifer schützen möchte. Andere Hunde hingegen sind von sich aus eher ängstlich und verstecken sich bei Geräuschen oder hoffen auf den Beschützerinstinkt des Hundehalters.

Unsicherheit

Unsicherheit ist ein weiterer Faktor, der sich jedoch nicht nur auf den Hund, sondern auch auf den Hundehalter beziehen kann. Ist der Hundehalter selbst unsicher, möchte der Hund diesen durch Bellen oder andere Abwehrmanöver verteidigen, wodurch die Ruhestörung startet. Aber auch das Tier kann unsicher sein und drückt diese Unsicherheit in vermehrtem Bellen aus.

Langeweile

Der häufigste Grund, weshalb Hunde dauerhaft bellen und dadurch die gesamte Nachbarschaft terrorisieren, ist, dass der Hund nicht genügend ausgelastet ist. Der Hund startet aus Langeweile das Bellen und versucht, die überschüssige Energie dadurch herauszulassen.

Krankheiten

Bellen kann nicht nur zur Verteidigung oder zum Herauslassen von Frust dienen, sondern auch, um dem Hundehalter zu signalisieren, dass das Tier krank ist. Dies können akute Schmerzen sowie eine Erkrankung sein oder auch eine Schilddrüsenunterfunktion. Letztere führt dazu, dass das Tier ängstlicher und anfälliger für Stress ist.

Wie kann man einem Hund abgewöhnen, ständig zu bellen?

Zuerst muss der Hundehalter analysieren, warum das Tier bellt. Es ist sinnbefreit, den Hund mit Spiel und Spaß auszulasten, wenn die Ursache des Bellens eine Krankheit ist.

Tipp:
Zu einem ausführlichen Ratgeber, um einem Hund das Bellen abzugewöhnen, geht es in diesem Artikel: Hund bellt andere Hunde an –  diese 5 Tipps helfen wirklich!

Falls das Tier gelangweilt und ungenügend ausgelastet ist, hilft folgendes Vorgehen:

Spiel und Spaß

Ein Hund möchte, ähnlich wie ein Mensch, physisch und psychisch ausgelastet sein. Darunter fallen ausgiebige Spaziergänge, das Aufspüren von Leckerlis mithilfe der Schnauze, das Erlernen von Tricks und Kunststücken als auch Apportier Spiele. Jede dieser Aktionen fordert und fördert den Hund, sodass dieser nicht aus Langeweile anfängt zu bellen.

Handelt es sich jedoch um einen unsicheren Hund oder Hundehalter, ist das folgende Vorgehen vonnöten:

Sicherheit geben

Der Hund spürt die Unsicherheit des Menschen und verhält sich entsprechend. Daher muss der Hundehalter beispielsweise entspannt sein, wenn andere Hunde vorbeilaufen, statt die Leine anzuspannen. Dies signalisiert dem Hund Gefahr, sodass n oder aggressive Verhaltensweisen aufzeigt. Stattdessen sollte der Hundehalter jederzeit souverän und entspannt den Hund führen und strikte Grenzen aufzeigen bei Fehlverhalten.

Die Hundeschule

In letzter Instanz hilft nur die Hundeschule. In dieser prüfen Experten nicht nur den Hund, sondern auch den Hundehalter und analysieren das Verhalten beider. Falls es sich um einen Hund mit wenig Kontakten handelt, kann dieser in der Hundeschule soziales Verhalten, allein durch den Austausch mit anderen Hunden, lernen und verlernt zugleich das Bellen.

Tipp
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Ruhestörung durch Hundegebell: Fazit

Hundegebell kann eine Ruhestörung darstellen und ist sowohl für den Hundehalter als auch Anwohner nervend sowie störend. Falls eine Ruhestörung vorliegt, sollte immer zuerst ein offenes Gespräch mit dem Halter stattfinden, als Halter sollten auch Fehler eingestanden werden können und erst im Anschluss sollten weitere Schritte erfolgen. Mit nur wenigen Tricks sind selbst zum Bellen neigende Hunderassen besänftigt und notfalls hilft die Hundeschule beim Lösen des Bell-Problems.



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