Skip to main content

Wenn der Hund mit Rückzug reagiert – mögliche Ursachen und Handlungsalternativen

Der Hund ist der beste Freund des Menschen. Deshalb liegt uns dessen Wohlergehen so am Herzen.

Reagiert der Hund auf einmal mit Rückzug und distanziert sich zunehmend, schrillen bei dem Herrchen sofort sämtliche Alarmglocken. Dabei sind es häufig ganz harmlose Umstände, die den Hund zum Rückzug veranlassen. In seltenen Fällen stehen jedoch auch ernstzunehmende Ursachen im direkten Zusammenhang mit der Verhaltensänderung des Vierbeiners. Der folgende Artikel klärt darüber auf, welche Gründe für den Rückzug des Hundes verantwortlich sein können und wie der Halter darauf am besten reagiert.

Hund zieht sich zurück

Hunde brauchen ausreichend Schlaf

Der Grund dafür, dass sich Hunde zurückziehen, kann in einem ganz natürlichen Bedürfnis nach Schlaf begründet sein. Gerade junge Hunde müssen ausreichend schlafen, um das Erlebte zu verarbeiten und um sich von anspruchsvollen Lerneinheiten erholen zu können. Diese regenerativen Phasen können bis zu 20 Stunden täglich dauern. Nachdem der Hund ausgeschlafen ist, verfügt er wieder über ausreichend Energie, um voller Elan die Welt zu entdecken.

Mit zunehmendem Alter des Hundes verlängern sich auch die Ruhephasen. Alte Hunde sind deutlich weniger aktiv als ihre jüngeren Artgenossen und nehmen körperliche oder situative Belastungen wie Lärm oder Hektik eher als anstrengend war. Von diesen kräftezehrenden Alltagsstrapazen erholt sich der Hund, indem er sich eine Auszeit gönnt und an einen ruhigen Ort zurückzieht.

Dass sich der Hund mehrere Stunden über den Tag verteilt zurückzieht, ist also ganz normal. Das Bedürfnis nach ausreichend Schlaf ist Ausdruck eines natürlichen und gesunden Verlangen des Hundes, aufgebrauchte Energiereserven zu füllen.

Ein entspannter Hund sucht die Nähe zum Menschen von sich aus

Wird ein Hund neu in eine Familie aufgenommen, bedeutet das für das Tier eine Menge Stress.

Es muss nun mit vielen neuen Eindrücken umgehen, sich in eine neue Rangordnung einfügen und die Tagesrhythmen kennenlernen. Je nach Gemüt des Hundes kann diese Umstellung von Ängsten begleitet werden.

Die meisten Hunde zeigen in der ersten Zeit ähnliche Verhaltensmuster: Sie folgen dem neuen Herrchen auf Schritt und Tritt, beobachten aufmerksam, was um sie herum geschieht und versuchen sich die neuen Abläufe einzuprägen. Für den Hund ist das eine Zeit, in der er innerlich sehr angespannt ist, weil er versucht die Fülle an Informationen aufzunehmen und zu verarbeiten.

Nach einer Weile der Eingewöhnung schleicht sich allmählich Gelassenheit ein. Der Hund weiß nun woran er ist und hat sich dem neuen Heim und den geltenden Regeln angepasst. Der Hund fühlt sich zu Hause sicher und legt die Anspannung ab. Je entspannter der Hund wird, desto weniger ist er auf seinen Menschen angewiesen. Er hat gelernt darauf zu vertrauen, dass seine Umgebung beständig ist und dass das Herrchen bei ihm bleibt. Der Hund ist unabhängiger und entfernt sich zunehmend aus dem direkten Umfeld des Menschen. Er beschäftigt sich mehr mit sich selbst und zieht sich zurück, wenn ihm danach ist. Diese Verhaltensanpassung ist kein Grund zur Sorge, sondern ein Zeichen von Vertrauen. Die Bindung zum Herrchen ist nicht schlechter geworden, sondern der Hund hat verstanden, dass sie verlässlich ist.

Der Hund reagiert auf ein verändertes Familiengefüge

Ändert sich die Familienkonstellation, weil ein Familienmitglied stirbt oder ein neues hinzugeboren wird, ändern sich oft auch die Prioritäten. Das kann dazu führen, dass Verunsicherungen beim Hund entstehen.

Diese können unterschiedliche Gründe haben. Möglicherweise war es der Hund gewohnt, an erster Stelle zu stehen. Er kann auf den Neuzuwachs mit Eifersucht reagieren und drückt seine Emotionen in Ignoranz gegenüber der Bezugsperson aus. Hier kann es helfen, den Hund in das Alltagsgeschehen zu integrieren und den Eindruck zu vermitteln, dass er immer noch seinen festen Platz an der Seite des Menschen hat. Kuscheleinheiten und das Spiel zu zweit sollten bewusst stattfinden, damit das Tier merkt, dass es nicht aus seiner ursprünglichen Position verdrängt wird.

Es kann aber auch sein, dass der Hund Probleme damit hat, die neue Situation richtig einzuordnen. Während der Schwangerschaft verändert sich der Körpergeruch der Frau und häufig auch deren Stimmungslage. Hunde sind sehr feinfühlige Geschöpfe. Sie spüren unterschwellige Veränderungen sofort, wissen aber nicht damit umzugehen. Die Veränderungen irritieren den Hund und die kognitive Überforderung kann dazu führen, dass er nach Ruhe verlangt.

Eine weitere Möglichkeit, warum der Hund bei Veränderungen im Familiengefüge mit Rückzug reagiert, könnte darin begründet sein, dass Babys und Kleinkinder sehr laut und lebhaft sein können. Ist der Hund eine solche Geräuschkulise nicht gewohnt, kann es sein, dass er sich ein ruhiges Plätzchen sucht, um diesen Reizen nicht weiter ausgesetzt sein zu müssen. Gerade ältere Hunde vertragen Lärm und Unruhe häufig nicht besonders gut.

Rückzug als Ausdruck einer Depression

Veränderungen in der Außenwelt, etwa durch die Geburt eines Kindes, aber auch durch den Umzug in ein neues Heim oder ähnliches, können für den Hund in einer echten Depression enden.

Die Symptome sind vielfältig und reichen von Gewichtsverlust oder -zunahme über Freudlosigkeit, Rückzug oder Verstecken, hängende Ohren und hängender Schwanz bis hin zu übermäßigem Schlafen und ausbleibenden Reaktionen auf äußerliche Reize.

Nachdem ausgeschlossen werden konnte, dass der Hund krank ist, muss der Halter an der Traurigkeit des Hundes arbeiten.

Oftmals ist es hilfreich, gezielt Zeit mit dem Hund zu verbringen und gemeinsam positive Erlebnisse zu sammeln. Weil sich Depressionen bei Tieren durch Umstellungen in den gewohnten Abläufen einstellen, ist es wichtig, Kontinuität im Alltag anzustreben. Je nachdem, welcher Auslöser hinter der Depression steckt, sind geeignete Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Ist der Hund viel allein, benötigt er mehr Aufmerksamkeit. Hat der Hund einen Spielgefährten verloren, ist der Kontakt zu anderen Vierbeinern hilfreich. Leidet der Hund an Bewegungsmangel, braucht er ein Sportprogramm, das ihn fordert. In jedem Falle sollte es vermieden werden, den Hund für sein Verhalten, beispielsweise das Verweigern der Nahrungsaufnahme, zu bestrafen. Ungewollte Verhaltensansätze sollten ignoriert und gewollte Verhaltensmuster deutlich gelobt werden.

Rückzug als Krankheitssymptom

Sobald sich der Hund vermehrt zurückzieht oder gar versteckt, ist es für den Halter wichtig, Ursachenforschung zu betreiben. Denn das kann auch ein Ausdruck von Krankheit sein.

Ein Hund, der gewöhnlich sehr aktiv und lebhaft ist, stellt seine Lebensgewohnheiten nicht grundlos um. Verzichtet er auf einmal auf körperliche Betätigung, ist antriebslos, frisst wenig und macht einen apathischen Eindruck, liegt der Verdacht nahe, dass er krank ist. Verändertes Verhalten kann aber auch Ausdruck von Schmerz sein.

In einem solchen Fall bedarf es einer ärztlichen Diagnose. Nur so kann sichergestellt werden, dass der Hund angemessen therapiert werden kann. Welche Krankheiten das Verhalten des Hundes begründen, ist für den Laien in der Regel nicht sicher zu bestimmen und sollte deshalb von einer Expertenmeinung gestützt werden.

Sollte sich nach eingehender Betrachtung des Einzelfalls keine ärztliche Diagnose stellen lassen und ist eine tiermedizinische Behandlung deshalb nicht möglich, kann die Hilfe eines Tierpsychologen oder Hundetrainers möglicherweise Aufschluss darüber geben, worin die Verhaltensumstellung des Hundes wurzelt.

Fazit

Zieht sich der geliebte Vierbeiner zurück, reagiert der Mensch oft besorgt. Dabei muss hinter diesem Verhalten kein großes Problem stecken. Ganz gleich, was hinter dem Ruhebedürfnis des Hundes steckt: Für den Halter ist wichtig, dass er die Signale seines Hundes respektiert. Verlangt der Hund nach Ruhe, sollte ihm diese auch zugestanden werden. Streicheleien, Ansprache oder das Aufdrängen körperlicher Nähe sind hier fehl am Platz. Ist die Ursache erst einmal gefunden, können geeignete Maßnahmen ergriffen werden, die sich am Wohlergehen des Hundes orientieren.



Ähnliche Beiträge



Kommentare

Antonia 4. Januar 2020 um 17:00

Hallo,
Mein Hund versteckt sich zur Zeit häufig unter dem Küchentisch oder dem Sofa. Normal ist er sehr lebendig, aber auch ist mir aufgefallen, dass
es ihr nicht mehr gefällt wenn man sie streichelt oder berührt. Ich weiß einfach nicht mehr weiter. Haben sie vielleicht eine Idee woran das liegen könnte?

Antworten

Jonas 6. Januar 2020 um 19:17

Klingt, als hätte er Schmerzen. Der Hund sollte zum Tierarzt gebracht werden. Ich würde sowohl das Gebäude, als auch die Organe untersuchen lassen. Ebenso ein großes Blutbild.

Antworten

Agnes 28. Januar 2020 um 18:19

Ich kenne das gar nicht von ihm, wenn ich zu meiner Schwiegertochter kam, kam er immer angelaufen. Ich hatte Krebs bevor er kam seit 2 nicht mehr. Ich bin auch schon mal mit ihm gelaufen, wo wir beide Spaß hatten. Oder merkt er das mit mir etwas nicht stimmt?

Antworten

Ulrike Müller 19. Januar 2020 um 18:42

Hallo. Seid etwa 2 Wochen kommt mein Hund, Eurasier, Rüde, 2 Jahre alt, nicht mehr ins Wohnzimmer. Er schaut so aus, als ob er sich total unwohl fühlt. Wenn er doch einmal ganz vorsichtig rein kommt, rennt er plötzlich los. Natürlich kommt er auf dem Laminat dann nicht vorwärts.
Sobald er ins Haus kommt, verschwindet er sofort nach oben in die 1. Etage und lässt sich nicht mehr blicken. Auch wenn ich ihn unten anspreche, dreht er sich um und flüchtet nach oben.
Wenn ich dann hoch zu ihm gehe, ist er vollkommen „normal“ und wir können auch im Bett toben.
Bin echt langsam Ratlos was er hat.

Antworten

Jonas 22. Januar 2020 um 11:10

Es kann gut sein, dass er weggerutscht ist und sich dabei verletzt hat.
Um dies zu verhindern, ist es sinnvoll, im Haus und auf der Treppe Teppiche auszulegen.
Ich würde für ihn Teppiche verlegen. Zumindest als Läufer. Vielleicht wird das helfen.

Antworten

Joachim 22. Januar 2020 um 11:54

Ihm muss etwas passiert sein, wobei er vielleicht zu Tode erschrocken war oder sich verletzt hat.
Versuchen Sie, die Ursache dafür herauszufinden und wenn möglich zu beseitigen!
Haben Sie vielleicht etwas verändert, Möbelstücke etc. besorgt oder ist etwas umgefallen, das ihn hätte treffen können, oder haben Sie ihn nass gespritzt, um ihn zu tadeln? Denken Sie noch einmal nach!!!
Ich würde ihn nicht unter Druck setzen, um ihn in die Wohnung zu bekommen! Vielleicht laden Sie einen Hundekumpel ein und lassen ihn frei herumlaufen, vielleicht tauen sie ihn auf! Oder mit Super-Duper-Spezial-Leckereien in die WZ werfen ???, damit Ihr Hund nicht viel denkt und ihm hinterher springt!
Viel Glück!

Antworten

Magrit 30. Januar 2020 um 16:44

Meine rast durch das ganze Haus und findet es toll zu rutschen . Toi toi toi ist noch nie was passiert. Unsere Katze animiert sie aber auch dazu . ?

Antworten

Karin 30. Januar 2020 um 09:45

Mein Hund 8 Jahre sitzt fast nur unterm Bett, vor einem Jahr ist meine Hündin gestorben, er hat 5 Jahre gemeinsam mit ihr verbracht und war sehr mit ihr verbunden, allerdings hat sie sehr viel Pflege gebraucht und er kam sicher auch oft zu kurz. Wenn ich ihn versuche da raus zu holen, starrt er nur uns Leere.
Er spielt auch nicht, was sie zu zweit schon gemacht haben. Es kommt noch dazu, dass er im vorigen Sommer 2 Hundekumpel gefunden hat, die er echt geliebt hat, aber die Besitzer dann komisch wurden, also gingen wir nicht mehr hin.
Von Oktober bis jetzt hatte er nur Schleim im Hals, der immer wieder kommt und nicht weg geht, also keine Hundewiese. Ich trauerte auch noch um meine Hündin, bin aber auch sehr besorgt um meinen Sniffi,
bitte um hilfe lg sniffi u karin

Antworten

Lana 16. September 2020 um 21:17

Ich habe meinen Chihuahua letzten Donnerstag für 4 Tage zu meinem Onkel und meiner Tante gebracht weil wir für ein paar Tage im Urlaub waren und er leider nicht mitkommen konnte . Seitdem der kleine wieder bei uns ist verhält er sich anders …ist nicht mehr so lebendig und zieht sich viel öfters zurück ..
Ich habe ihn abgetastet ob er schmerzen hat etc. aber alles war okay .. waren heute auch den ganzen Tag draußen und alles war normal nur zuhause verhält er sich irgendwie anders ..
Danke schonmal für jede Antwort 🙂

Antworten

Nicole 7. Oktober 2020 um 14:56

Hallo ,
Mein Hund ist 15 Jahre alt und ein Dalmatiner Mischling. Er hört nicht mehr viel nur bestimmte Ton lagen.
Seit einiger Zeit nimmt er Abstand zu mir, wenn wir spazieren gehen ist er voll da aber kuscheln will er fast nicht mehr. Es ist manchmal auch so, dass er denn Raum verlässt, wenn ich komme.
Und manchmal ist er auch orientierungslos.
Was denken sie was ich tun soll?

Antworten

Jonas 10. Oktober 2020 um 09:53

Ich würd ihn mal auf Demenz und Schmerzen abklären lassen.
Vielleicht erkennt er Dich nicht mehr, kann aber vertraute Vorgänge wie Gassi gehen noch verstehen. Vor allen Dingen aufpassen, dass er nicht wegläuft, er findet nicht mehr allein nach Hause!
Ich würde außerdem mal klären, ob er Schmerzen hat und Berührungen deshalb negativ verknüpft. Hunde sind meisterhaft im Verstecken von Schmerzen.
Unbedingt mit einem Tierarzt besprechen!
Eine gute Zeit wünsche ich Euch…

Antworten

Nicole 12. Oktober 2020 um 15:38

Danke für die Antwort 🙂
Es hilft mir echt weiter und zweit mir, dass der Gedanke, den ich hatte, doch vielleicht nicht so verkehrt war. Ich habe auch schon ein Termin beim Arzt zum Check.

Antworten

Du hast eine Frage oder eine Meinung zum Artikel? Teile sie mit uns!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*