fbpx

Wenn der Hund mit Rückzug reagiert – mögliche Ursachen und Handlungsalternativen

Der Hund ist der beste Freund des Menschen. Deshalb liegt uns dessen Wohlergehen so am Herzen.

Reagiert der Hund auf einmal mit Rückzug und distanziert sich zunehmend, schrillen bei dem Herrchen sofort sämtliche Alarmglocken. Dabei sind es häufig ganz harmlose Umstände, die den Hund zum Rückzug veranlassen. In seltenen Fällen stehen jedoch auch ernstzunehmende Ursachen im direkten Zusammenhang mit der Verhaltensänderung des Vierbeiners. Der folgende Artikel klärt darüber auf, welche Gründe für den Rückzug des Hundes verantwortlich sein können und wie der Halter darauf am besten reagiert.

Hund zieht sich zurück

Hunde brauchen ausreichend Schlaf

Der Grund dafür, dass sich Hunde zurückziehen, kann in einem ganz natürlichen Bedürfnis nach Schlaf begründet sein. Gerade junge Hunde müssen ausreichend schlafen, um das Erlebte zu verarbeiten und um sich von anspruchsvollen Lerneinheiten erholen zu können. Diese regenerativen Phasen können bis zu 20 Stunden täglich dauern. Nachdem der Hund ausgeschlafen ist, verfügt er wieder über ausreichend Energie, um voller Elan die Welt zu entdecken.

Mit zunehmendem Alter des Hundes verlängern sich auch die Ruhephasen. Alte Hunde sind deutlich weniger aktiv als ihre jüngeren Artgenossen und nehmen körperliche oder situative Belastungen wie Lärm oder Hektik eher als anstrengend war. Von diesen kräftezehrenden Alltagsstrapazen erholt sich der Hund, indem er sich eine Auszeit gönnt und an einen ruhigen Ort zurückzieht.

Dass sich der Hund mehrere Stunden über den Tag verteilt zurückzieht, ist also ganz normal. Das Bedürfnis nach ausreichend Schlaf ist Ausdruck eines natürlichen und gesunden Verlangen des Hundes, aufgebrauchte Energiereserven zu füllen.

Ein entspannter Hund sucht die Nähe zum Menschen von sich aus

Wird ein Hund neu in eine Familie aufgenommen, bedeutet das für das Tier eine Menge Stress.

Es muss nun mit vielen neuen Eindrücken umgehen, sich in eine neue Rangordnung einfügen und die Tagesrhythmen kennenlernen. Je nach Gemüt des Hundes kann diese Umstellung von Ängsten begleitet werden.

Die meisten Hunde zeigen in der ersten Zeit ähnliche Verhaltensmuster: Sie folgen dem neuen Herrchen auf Schritt und Tritt, beobachten aufmerksam, was um sie herum geschieht und versuchen sich die neuen Abläufe einzuprägen. Für den Hund ist das eine Zeit, in der er innerlich sehr angespannt ist, weil er versucht die Fülle an Informationen aufzunehmen und zu verarbeiten.

Nach einer Weile der Eingewöhnung schleicht sich allmählich Gelassenheit ein. Der Hund weiß nun woran er ist und hat sich dem neuen Heim und den geltenden Regeln angepasst. Der Hund fühlt sich zu Hause sicher und legt die Anspannung ab. Je entspannter der Hund wird, desto weniger ist er auf seinen Menschen angewiesen. Er hat gelernt darauf zu vertrauen, dass seine Umgebung beständig ist und dass das Herrchen bei ihm bleibt. Der Hund ist unabhängiger und entfernt sich zunehmend aus dem direkten Umfeld des Menschen. Er beschäftigt sich mehr mit sich selbst und zieht sich zurück, wenn ihm danach ist. Diese Verhaltensanpassung ist kein Grund zur Sorge, sondern ein Zeichen von Vertrauen. Die Bindung zum Herrchen ist nicht schlechter geworden, sondern der Hund hat verstanden, dass sie verlässlich ist.

Der Hund reagiert auf ein verändertes Familiengefüge

Ändert sich die Familienkonstellation, weil ein Familienmitglied stirbt oder ein neues hinzugeboren wird, ändern sich oft auch die Prioritäten. Das kann dazu führen, dass Verunsicherungen beim Hund entstehen.

Diese können unterschiedliche Gründe haben. Möglicherweise war es der Hund gewohnt, an erster Stelle zu stehen. Er kann auf den Neuzuwachs mit Eifersucht reagieren und drückt seine Emotionen in Ignoranz gegenüber der Bezugsperson aus. Hier kann es helfen, den Hund in das Alltagsgeschehen zu integrieren und den Eindruck zu vermitteln, dass er immer noch seinen festen Platz an der Seite des Menschen hat. Kuscheleinheiten und das Spiel zu zweit sollten bewusst stattfinden, damit das Tier merkt, dass es nicht aus seiner ursprünglichen Position verdrängt wird.

Es kann aber auch sein, dass der Hund Probleme damit hat, die neue Situation richtig einzuordnen. Während der Schwangerschaft verändert sich der Körpergeruch der Frau und häufig auch deren Stimmungslage. Hunde sind sehr feinfühlige Geschöpfe. Sie spüren unterschwellige Veränderungen sofort, wissen aber nicht damit umzugehen. Die Veränderungen irritieren den Hund und die kognitive Überforderung kann dazu führen, dass er nach Ruhe verlangt.

Eine weitere Möglichkeit, warum der Hund bei Veränderungen im Familiengefüge mit Rückzug reagiert, könnte darin begründet sein, dass Babys und Kleinkinder sehr laut und lebhaft sein können. Ist der Hund eine solche Geräuschkulise nicht gewohnt, kann es sein, dass er sich ein ruhiges Plätzchen sucht, um diesen Reizen nicht weiter ausgesetzt sein zu müssen. Gerade ältere Hunde vertragen Lärm und Unruhe häufig nicht besonders gut.

Rückzug als Ausdruck einer Depression

Veränderungen in der Außenwelt, etwa durch die Geburt eines Kindes, aber auch durch den Umzug in ein neues Heim oder ähnliches, können für den Hund in einer echten Depression enden.

Die Symptome sind vielfältig und reichen von Gewichtsverlust oder -zunahme über Freudlosigkeit, Rückzug oder Verstecken, hängende Ohren und hängender Schwanz bis hin zu übermäßigem Schlafen und ausbleibenden Reaktionen auf äußerliche Reize.

Nachdem ausgeschlossen werden konnte, dass der Hund krank ist, muss der Halter an der Traurigkeit des Hundes arbeiten.

Oftmals ist es hilfreich, gezielt Zeit mit dem Hund zu verbringen und gemeinsam positive Erlebnisse zu sammeln. Weil sich Depressionen bei Tieren durch Umstellungen in den gewohnten Abläufen einstellen, ist es wichtig, Kontinuität im Alltag anzustreben. Je nachdem, welcher Auslöser hinter der Depression steckt, sind geeignete Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Ist der Hund viel allein, benötigt er mehr Aufmerksamkeit. Hat der Hund einen Spielgefährten verloren, ist der Kontakt zu anderen Vierbeinern hilfreich. Leidet der Hund an Bewegungsmangel, braucht er ein Sportprogramm, das ihn fordert. In jedem Falle sollte es vermieden werden, den Hund für sein Verhalten, beispielsweise das Verweigern der Nahrungsaufnahme, zu bestrafen. Ungewollte Verhaltensansätze sollten ignoriert und gewollte Verhaltensmuster deutlich gelobt werden.

Rückzug als Krankheitssymptom

Sobald sich der Hund vermehrt zurückzieht oder gar versteckt, ist es für den Halter wichtig, Ursachenforschung zu betreiben. Denn das kann auch ein Ausdruck von Krankheit sein.

Ein Hund, der gewöhnlich sehr aktiv und lebhaft ist, stellt seine Lebensgewohnheiten nicht grundlos um. Verzichtet er auf einmal auf körperliche Betätigung, ist antriebslos, frisst wenig und macht einen apathischen Eindruck, liegt der Verdacht nahe, dass er krank ist. Verändertes Verhalten kann aber auch Ausdruck von Schmerz sein.

In einem solchen Fall bedarf es einer ärztlichen Diagnose. Nur so kann sichergestellt werden, dass der Hund angemessen therapiert werden kann. Welche Krankheiten das Verhalten des Hundes begründen, ist für den Laien in der Regel nicht sicher zu bestimmen und sollte deshalb von einer Expertenmeinung gestützt werden.

Sollte sich nach eingehender Betrachtung des Einzelfalls keine ärztliche Diagnose stellen lassen und ist eine tiermedizinische Behandlung deshalb nicht möglich, kann die Hilfe eines Tierpsychologen oder Hundetrainers möglicherweise Aufschluss darüber geben, worin die Verhaltensumstellung des Hundes wurzelt.

Fazit

Zieht sich der geliebte Vierbeiner zurück, reagiert der Mensch oft besorgt. Dabei muss hinter diesem Verhalten kein großes Problem stecken. Ganz gleich, was hinter dem Ruhebedürfnis des Hundes steckt: Für den Halter ist wichtig, dass er die Signale seines Hundes respektiert. Verlangt der Hund nach Ruhe, sollte ihm diese auch zugestanden werden. Streicheleien, Ansprache oder das Aufdrängen körperlicher Nähe sind hier fehl am Platz. Ist die Ursache erst einmal gefunden, können geeignete Maßnahmen ergriffen werden, die sich am Wohlergehen des Hundes orientieren.

Tipp
Zu einem hilfreichen online Hundekurs für die erste Hilfe in Notsituationen und bei Krankheiten geht es unter diesem Link.
Wenn der Hund mit Rückzug reagiert – mögliche Ursachen und Handlungsalternativen
5 (100%) 6 Stimme[n]


Kommentar schreiben

*


Noch keine Kommentare