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Mein Hund läuft mir ständig hinterher – Gründe, Gegenmaßnahmen und Tipps

Mein Hund will nicht alleine bleiben und läuft mir überallhin hinterher, was kann ich tun?
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Warum läuft mein Hund mir immer hinterher?

In Deutschland zählen Hunde zu den beliebtesten Haustieren. Sie gelten als treue, zuverlässige Kameraden und folgen in vielen Fällen ihren menschlichen Freunden überall hin. Was sich im ersten Moment positiv anhört, stellt sich in vielen, alltäglichen Situationen als problematisch heraus. Die starke Anhänglichkeit des Hundes, kann den Gang zur Toilette und beispielsweise dem Nachgehen des Berufs stark behindern.

Das Tier darf nicht mit in jedes Geschäft und viele Chefs verbieten es, den Hund mit zur Arbeit zu bringen. In diesen Fällen muss der kleine Freund zu Hause und/oder bei einer anderen Person bleiben.

Die Tiere verstehen nicht, warum ihr Rudel sie zurücklässt. Sie beginnen in der Wohnung zu jaulen und/oder zerstören aus Frust die Einrichtung. Ihr Unmut überträgt sich spätestens dann auf den Hundeführer, wenn dieser zurückkommt und das Wohnungschaos vorfindet. Anrufe der Nachbarn, wegen des Jaulens, während der Hundefreund seiner Arbeit nachgeht, steigert den Frust weiter. Nicht selten endet der Hund aus diesen Gründen im Tierheim.

Mit Verständnis und Übung lässt sich diese Problematik ausschalten und/oder umgehen. Zu diesem Zweck benötigt der Hundeführer Wissen über das natürliche Verhalten des Hundes. Des Weiteren muss er sich das Vertrauen des Hundes erarbeiten.

Warum läuft mein Hund mir dauernd hinterher?

Ein Hunderudel hält von Natur aus zusammen. Es lässt niemanden zurück. Jedes Mitglied besitzt im Rudel eine Aufgabe und die Welpen lernen von den ausgewachsenen Tieren. Dieses natürliche Verhalten wohnt in jedem Hund und instinktiv folgt der Welpe dem Menschen, der sich um ihn kümmert.

Ebenso instinktiv handelt der ausgewachsene Hund. Es sei denn, der Hund genoss eine Ausbildung in Unterordnung und konnte bereits Vertrauen zu seinem Menschen aufbauen.

Doch Instinkt ist es heute nicht mehr alleine.

Der Hund folgt seinem Hundeführer ebenfalls aus anderen Gründen, wie beispielsweise, um:
  • Futter oder Leckereien zu erbetteln,
  • Streicheleinheiten zu erhalten,
  • einen Platz auf der Couch zu ergattern,
  • uns nahe zu sein.

In der heutigen Hundezucht lernen viele Welpen, dass Menschen sie gern verwöhnen. Sie suchen ihre Nähe, wenn ihnen etwas fehlt und/oder sie sich geborgen fühlen wollen. Die enge Nähe zu ihrem Rudel und/oder zu ihrem Menschen ist für sie lebenswichtig.

Das Wesen Hund, besitzt ebenso viele Bedürfnisse wie wir selbst und es reagiert auf unsere Gefühle stärker, als wir erahnen.

Geht es uns gefühlsmäßig oder gesundheitlich nicht gut, nimmt der Hund dieses sofort wahr und versucht uns noch näherzukommen. Er weicht uns nicht von der Seite und selbst einem gut erzogenen Hund fällt es dann schwer alleine zu bleiben.

Warum läuft mir mein Welpe immer hinterher?

Der Welpe weiß instinktiv, dass er ohne Rudel (den Hundeführer) nicht überleben kann. In freier Natur kümmert sich die Mutter lange Zeit um ihre Welpen. Sie lehrt sie, zu jagen, das genaue beobachten der Umgebung und das Verhalten bei Gefahr.

Im menschlichen Rudel will und muss der Welpe lernen was er darf und was nicht. Er muss lernen, sich in der Umgebung des Menschen zurecht zu finden. Wie er sich in der Nähe von Menschen und/oder anderen Tieren verhalten muss. Unsere Vorgaben sind andere, als die eines Hunderudels.

Der kleine Racker will lernen, sich aber gleichzeitig beschützt und geborgen fühlen. Er braucht die Nähe des Rudels um sich wohlzufühlen und sich zu einem selbstbewussten Hund zu entwickeln. Diese Entwicklung erfolgt in verschiedenen Stufen und setzt voraus, dass wir ihm die Möglichkeit geben andere Hunde kennenzulernen. Gleichzeitig liegt es an uns, ihm zu vermitteln, dass er sich nicht fürchten muss. Er muss den Hundeführer als Rudelführer anerkennen und lernen, dass dieser das Rudel und ihn beschützt, beschäftigt und beruhigt. Ebenso muss er lernen, dass der Mensch immer wieder heimkehrt und alleine bleiben nichts Schlimmes ist.

Wann ist das Hinterherlaufen des Hundes ein Problem?

Mal ehrlich, wer nimmt gern den Hund mit zur Toilette oder lässt sich gern von ihm in die Einkaufstasche sehen?

Doch neben diesen „Unannehmlichkeiten“ kann das stetige Verfolgen des Hundes Probleme mit sich bringen wenn beispielsweise:
  • der Hund nicht mit zur Arbeit kann und/oder darf,
  • er nicht mit in Geschäfte gehen darf.
  • Nachbarn sich beschweren, weil der Hund alleine in der Wohnung langanhaltend jault.
  • Möbel, Türrahmen und/oder Teppiche durch den alleingelassenen Hund starke Schäden aufweisen.

Besitzt der Hund ein übersteigertes Nähebedürfnis, aufgrund schlechter Erfahrung und/oder weil ein Mensch ihn verlies, kann dies zur Übernahme der Beschützerrolle führen. Dieser Hund leidet unter Angst und einem daraus resultierenden Kontrollzwang.

Er reagiert über und unterscheidet nicht zwischen Freund und Feind. Hunde, die diese Verhaltensweisen zeigen gelten als gestört und aggressiv. Professionelle Hilfe durch einen Hundetrainer und/oder eine Hundeschule helfen, diese Hunde zu resozialisieren und ihnen ein glücklicheres Leben zu bescheren.

Wie mache ich meinem Hund klar, dass ich zu ihm zurückkehre?

Kein Hund bleibt gern allein, das steht seiner Natur entgegen. Dem Tier beizubringen, dass es nicht überall mit hin kann und dass wir wieder zurückkommen muss in kleinen Schritten erfolgen.

Ein Welpe lernt gern und schnell, was uns die Sache vereinfacht. Unterordnungsbefehle wie „Sitz“, „Platz“ und „Bleib“ helfen uns dabei enorm. Mit dem Befehl „Platz bleib“ lässt sich der Welpe auf seiner Decke oder in seinem Korb ablegen. Ein Spielzeug und/oder ein Leckerchen versüßen ihm das Verbleiben auf seinem Platz.

Diese Übung beginnt mit einer Zeit von circa 30 Sekunden und erhöht sich langsam, von Tag zu Tag. Bleibt der Hund ein paar Minuten problemlos auf seinem Platz, kann der Hundeführer sich nach und nach vom Hund entfernen. Langsames vorgehen bildet dabei die Grundlage. Ein Fehlverhalten quittiert der Hundeführer mit wortlosem zurückgehen zum Hund. Nach ein paar Minuten kann die Übung eine Wiederholung erfahren.

Befehle und Deckentraining

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Deckentraining Hund

Es kann bis zu mehreren Wochen dauern, bis der Hund längere Zeit auf seinem Platz verbleibt. Das Verlassen des Zimmers und sich dem Blick des Hundes Entziehen verlangt viel Geduld vom Hundeführer. Des Weiteren muss er Rückschläge in Kauf nehmen ohne Wut und ohne den Hund zu strafen. Der Hundeführer muss sich das Vertrauen des Hundes verdienen, nicht umgekehrt!

Der Grund liegt in der Hundenatur. Für das Wesen Hund gibt es nichts wichtigeres als das Rudel. Mit den Trainings-Einheiten versuchen wir die Natur zu überlisten und das Grundverhalten des Hundes zu ändern.

Kommt es zu Rückschlägen, muss das Training zurück auf Anfang. Das heißt, es beginnt alles von vorn.

Verbleibt der Hund „bewusst“ mehrere Minuten auf seiner Decke, kann der Hundeführer sich weiter entfernen. Mit der Zeit lernt der Hund, dass der Mensch wieder zurückkehrt, auch wenn er sich in einem anderen Zimmer aufhält.

Bleibt der Hund auf der Decke bis der Mensch aus dem anderen Zimmer zurückkehrt, kann die nächste Trainingsstufe beginnen.

Diese Einheit beginnt mit dem Befehl „Platz bleib“, der Hund geht zu seinem Platz und legt sich nieder. Er erhält ein Leckerchen oder ein beliebtes Spielzeug und der Hundeführer verlässt wortlos das Zimmer. Ohne Blick auf den Hund geht er weiter zur Wohnungstür und öffnet diese. Bleibt der Hund entspannt auf seinem Platz, kann er die Wohnung (die Tür bleibt vorerst geöffnet) für wenige Sekunden verlassen.

Bleibt der Hund ruhig, kehrt er wortlos in die Wohnung zurück. Nach circa 30 Minuten oder einer Stunde wiederholt er diese Übung. Bleibt der Hund weiterhin ruhig, kann er die Wohnungstür hinter sich schließen. Beim Hereinkommen beachtet er den Hund nicht und geht ganz selbstbewusst seinen Geschäften nach.

Auf diese Weise lernt der Hund, dass es zum natürlichen Ablauf des Tages gehört, wenn der Hundeführer die Wohnung verlässt. Er kommt ja wieder zurück. Nach und nach kann der Hundeführer die Zeiten des „außer Haus“ Gehens verlängern, ohne dass der Hund Notiz davon nimmt.

Was sagt Martin Rütter zu dem Thema?

Der bekannte Hundetrainer, Martin Rütter, weiß über die Natur und die natürlichen Verhaltensweisen der Hunde gut Bescheid.

Seiner Ansicht nach will der Hund ständig in der Nähe seiner Menschen verweilen, weil er:
  • ihre Gesellschaft genießt und liebt.
  • instinktiv weiß, dass das Futter von ihnen kommt.
  • in ihrer Nähe Geborgenheit und Schutz findet.
  • den Hundeführer und seine Familie als sein Rudel ansieht.

Weitere Infos zu den Ansichten von Martin Rütter gibt es in diesem Artikel.

Hund läuft mir immer hinterher – Fazit

Verfolgt der Hund seinen Hundeführer auf Schritt und Tritt, so liegt das in seiner Natur. Verschidene Hunderassen züchten die Züchter speziell mit den Eigenschaften der Anhänglichkeit, Treue und Zugänglichkeit.

Da wir den Hund heute eher als Freund und Partner sehen, als als Gebrauchshund/Arbeitshund, leben wir mit ihm zusammen. Diese Art des zusammen Lebens erfordert von uns mehr Verständnis für das Hundeverhalten.

Mit Einfühlungsvermögen und konsequenter Erziehung des Hundes sind wir in der Lage sein natürliches Verlangen nach unserer Nähe zu kontrollieren. Er lernt mit kleinen Übungen, uns darin zu vertrauen, dass wir zu ihm zurückkommen. Mit der Zeit verlässt er sich ganz natürlich darauf, dass wir zu ihm zurückkehren.

Das Training der Unterordnung mit feststehenden Befehlen und konsequente Erziehung, vermitteln dem Hund Vertrauen in seinen Menschen. Das alleine bleiben fällt ihm mit der Zeit nicht mehr so schwer. Er vertraut dem Hundeführer und dieser muss sich nicht mehr um die Wohnungseinrichtung sorgen.

Befehle, Konsequenz, Wiederholung und Training bilden die Grundlage für gutes Zusammenleben mit dem Hund.

Draußen verliert der Hund das Rudel/seinen Menschen, nie aus den Augen, egal wie weit er sich entfernt. Unterordnungsbefehle ermöglichen uns, bei konsequentem Training mit dem Hund, ihn abzurufen, damit wir ihn nicht aus dem Auge verlieren. Die Unterordnung des Hundes dient dementsprechend nicht seiner Unterdrückung, sondern dem Erlernen von Freiheit in der menschlichen Umgebung.

Dies gilt nicht nur für Welpen, sondern ebenso für erwachsene Hunde. Mussten die Tiere schlechte Erfahrungen machen, kann professionelle Hilfe notwendig sein, ihnen das Vertrauen in den Menschen zurückzugeben. In vielen Fällen reicht allerdings Geduld, Übung und Einfühlungsvermögen, um diesen Hunden ein lebenswertes Leben zu ermöglichen.

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