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Bindung zum erwachsenen Hund aufbauen – 6 hilfreiche Tipps, um das Vertrauen zu stärken

Wie kann ich das Vertrauen zum Hund wieder aufbauen? Welche Übungen gibt es, um die Bindung zu stärken?

Ratgeber vorlesen lassen:

Der Hund zählt zu unseren beliebtesten Haustieren. Als Rudeltier orientiert er sich am Rudelführer, wenn dieser aus seiner Sicht das Rudel anführt, ihm Sicherheit bietet und Kontakt zu den verschiedenen Mitgliedern pflegt.

Die Bindung zwischen den einzelnen Hunden eines Rudels und ein fähiger Rudelführer bestimmen den Erfolg des Rudels. Aus diesem Grunde erwartet der Hund von seinem Menschen eine Führungsqualität die seinen Ansprüchen genügt. Des Weiteren braucht der Hund eine Bindung zum Hundeführer, die ihm Sicherheit und Erfolg verspricht.

Dementsprechend entsteht eine enge Bindung nicht durch den Kauf eines Hundes oder durch das Geben vieler Leckerchen. Ein Hund erwartet mehr.

Doch bis eine Bindung zwischen Mensch und Hund entsteht dauert es seine Zeit. Ihr Aufbau erfordert vom Menschen viel Arbeit, Zeit und Geduld.

Speziell wenn ein ausgewachsener Hund einzieht, kann es vorkommen, dass dieser unter Bindungsängsten leidet oder Vertrauen neu lernen muss. Es liegt an uns zu verstehen worin der Unterschied zwischen Beziehung und Bindung liegt und wie aus einer Spaziergeh-Beziehung, Vertrauen und eine intensive Beziehung erwachsen.

Worin liegt der Unterschied zwischen Beziehung und Bindung?

Eine lockere Beziehung mit einem Hund gehen wir im ersten Moment unserer Begegnung mit dem Tier ein. Unerheblich ist in diesem Augenblick, ob wir ihm aus dem Weg gehen oder ob wir uns mit ihm beschäftigen wollen.

Diese kurzen Sekunden des Kennenlernens zeigen uns, ob die Chemie zwischen uns stimmt oder nicht. Sie entscheiden darüber, ob der Hund ein Zuhause bei uns finden kann oder ob ein anderer Hund uns sympathischer erscheint.

Ein Hundeführer, der den Hund zum Jagen mitnimmt und sich ansonsten wenig um ihn kümmert, hält über Jahre hinweg eine lockere Bindung bei. Eine starke Bindung entwickelt sich zwischen ihnen nicht.

Geht der Hundeführer dagegen regelmäßig mit dem Hund spazieren, beschäftigt sich intensiv mit ihm, kuschelt und spielt er mit ihm, kann sich eine starke Bindung entwickeln.

Erhöhtes Vertrauen und intensives Interesse aneinander stärken die Beziehung zueinander und es entsteht ein Hunde-Mensch-Team.

Was macht eine gute Bindung zwischen Hund und Mensch aus?

Eine gute und/oder starke Mensch-Hund-Bindung zeichnet sich durch:

  • gegenseitiges Vertrauen,
  • ein Gefühl der Sicherheit in Nähe des anderen,
  • intensives Interesse an dem anderen,
  • freudiges Entgegenkommen des Hundes, wenn der Hundeführer nach Hause kommt,
  • gemeinsam entspanntes Spiel
  • liebevolle Zärtlichkeiten in Form von Streicheln, Kopf auf den Schoss legen oder ähnliches,
  • Anhänglichkeit des Hundes und
  • das einander Vermissen

aus.

Die Bindung zwischen Mensch und Tier baut sich nicht einseitig auf. Sie fordert von beiden das aufeinander Einlassen auf den anderen und Respekt voreinander.

Ein Mensch, der dem Hund mit reiner Gewalt begegnet erzeugt Angst. Ein Mensch, der den Hund nur verwöhnt und ihm alles durchgehen lässt, erhält von dem Tier keinen Respekt.

Aus der Sicht des Hundes verfügen beide Menschen nicht über die Qualität eines Rudelführers. Der Hund vermisst bei beiden Sicherheit, Geradlinigkeit und Zusammengehörigkeit. Desweiteren fehlen ihm beim Hundeführer der Respekt und das Vertrauen zueinander. Sie sprechen ihm, in seinen Augen, Intelligenz ab und helfen ihm nicht sich weiter zu entwickeln.

Wer eine gute Bindung zu seinem Hund aufbauen will, muss für den Hund:

  • Zeit,
  • Geduld,
  • Vertrauen,
  • Ruhe,
  • Konsequenz und
  • Verständnis

aufbringen. Er muss ihm zeigen, dass er aus Sicht des Hundes das Rudel führen, begleiten und anleiten kann. Der Lohn für das Vertrauen in den Hund kann dieser mit Treue und Gehorsam bezahlen. Das Tier bekommt auf diese Weise die Möglichkeit seinen Menschen auszutesten, ihn zu studieren und sich ihm freiwillig anzuschließen.

Auf Basis dieses Anschließens stellt sich nach und nach ein festeres Anbinden des Hundes ein. Er lernt damit dem Hundeführer zu vertrauen und folgt ihm aus diesem Grunde gern. Gemeinsame Ausflüge, Spiele und Kuschelzeiten helfen dem Hund, die Nähe des Menschen zu genießen.

Unterordnungs-Training und Hundesport fordern zudem die Intelligenz des Tieres. Sie stärken die Bindung ebenfalls, da Hunde dies nicht als Arbeit sehen, sondern als Abwechslung und Anleitung.

Warum ist eine gute Bindung zum Hund wichtig?

Eine gute Bindung zwischen Hund und Mensch lässt die lose Verbindung zu einem Team zusammenwachsen.

  • Sie erleichtert die Arbeit mit dem Hund und stärkt das Vertrauen des Hundes in den Menschen.
  • Der Gehorsam des Hundes nimmt zu, da er gern Zeit mit seinem Menschen verbringt und diesem gefallen will.
  • Das Selbstvertrauen des Hundes steigt mit der Stärke der Bindung und er lernt besser einzuschätzen in welcher Situation der Hundeführer was von ihm erwartet.

Ein ausgewachsener Hund zieht ein, welche Übungen helfen beim Aufbau einer starken Bindung?

Ausgewachsene Hunde reagieren in vielen Fällen anders als Welpen. Viele von ihnen leiden unter schlechten Erfahrungen mit den Menschen und/oder vermissen noch ihren ehemaligen Betreuer.

Der Aufbau einer engen und/oder guten Bindung erweist sich bei ihnen als langwieriger. In vielen Fällen benötigen sie mehr Zeit, um Vertrauen aufzubauen und/oder neues Selbstbewusstsein zu entwickeln.

Mit folgenden Übungen kann der Hundeführer den Weg erleichtern für beide erleichtern:

  1. Blickkontakt aufnehmen, halten, loben: Blickt der Hund sich nach dem Hundeführer um, kann dieser die Situation für sich nutzen und den Hund zu sich rufen. Läuft der Hund auf ihn zu, kann er ihn mit der Stimme loben, kurz mit ihm spielen und sich freuen. Wechseln sich Lob, Spiel und eventuell ein Leckerchen ab, wenn der Hund den Hundeführer ansieht, erweckt dieses im Hund eine Spannungserwartung.Der Hund lernt, beim Hundeführer passiert was, wenn ich ihn ansehe. Dadurch wird der Hundeführer für ihn interessanter als beispielsweise das weiter fort rennen oder das beschnupperte Gras.
  2. Sicherheit vermitteln durch Leinen-Training: Hierbei achtet der Hundeführer darauf, dass der Hund an der Leine nicht vor ihm geht, sondern an seiner Seite bleibt und/oder einen bis zwei Schritte hinter ihm. Ein Hund, der vor dem Hundeführer läuft, übernimmt automatisch die Aufgabe es Hundeführers. Er sieht eine herannahende Gefahr als erster und reagiert dementsprechend mit voran preschen und bellen, um der Gefahr zu begegnen.Geht der Hund neben und/oder hinter dem Hundeführer bestimmt dieser die zu gehende Richtung und das Vorgehen bei einer eventuell auftretenden Gefahr.Mit dieser Übung lernt der Hund, dass der Hundeführer die Verantwortung übernimmt und gefährlichen Situationen ohne seine Hilfe begegnen kann. Er lernt, dem Hundeführer zu vertrauen und das er sich auf ihn verlassen kann. Der Hundeführer gibt ihm durch das vor-dem-Hund-gehen die, dem Hund wichtige Sicherheit.
  3. Einmal nein, immer nein: Konsequenz heißt hierzu das Schlüsselwort. Darf der Hund mit trockenem Fell auf die Couch, dann darf er das ebenfalls mit nassem Fell. Der Begriff Konsequenz bezieht sich auf unser Verhalten, dass nicht ständig wechseln darf. Aus diesem Grunde gilt einmal ja, immer ja und einmal nein, immer nein, egal ob der Hund nass oder trocken ist, er darf auf die Couch oder nicht.Der Hund, kann nicht verstehen warum er mit trockenem Fell neben seinem Menschen liegen darf und mit nassem Fell nicht. Für ihn stellt sich dieses Verhalten als unlogisch und inkonsequent dar. Aus Hundesicht eignet sich dieser Mensch nicht als Rudelführer.Ähnliche Diskrepanzen tauchen auf, wenn der Mensch in den Augen des Hundes unvorhersehbar reagiert. Dies ist der Fall, wenn der Hund immer als erster aus der Tür gehen darf und plötzlich nicht mehr. Ähnlich stellt sich die Situation dar, wenn der Hund heute an der ersten Straße sitzen muss und an der nächsten Straße nicht.Hunde stellen den Hundeführer stetig infrage und überprüfen stetig neu, inwieweit der Hundeführer in Ihren Augen, seine Aufgaben erfüllt.Aus diesem Grunde ist konsequentes Verhalten des Rudelführers und seiner Familie wichtig. Der Mensch wird auf diese Weise für den Hund vorhersehbarer. Er kann besser einschätzen was der Hundeführer sich von ihm wünscht und/oder erwartet. Hunde brauchen Regeln. Sie orientieren sich an ihnen und an den Menschen, die ihnen diese Regeln vorgeben.Im selben Atemzug erwarten sie, dass diese Regeln immer gelten und nicht ständig einem Wandel, einer Änderung unterliegen.
  4. Entspannung und Geduld: Merkt der Hund, dass der Hundeführer sich für den nächsten Spaziergang rüstet, erregt das den Hund. In freudiger Erwartung rennt er dem Hundeführer hinterher, zur Tür und wieder zurück. Viele Hunde springen den Hundeführer an und ihre Erregung kennt keine Grenzen.Den Hund zu beruhigen, durch Befehl und Ruhe erweist sich in diesem und ähnlichen Fällen als wertvolle Hilfe. Wer will schon krampfhaft versuchen die Leine einzuhaken, wenn der Hund um ihn herum tanzt?Unterordnungsübungen erweisen sich in diesem Fall als hilfreich. Die gelernten Befehle „Sitz“ und/oder „Platz“ zwingen den Hund zur Ruhe und zum Herunterfahren ihrer Erregung. Der Hundeführer kann den Hund während des „Sitzen und/oder Liegen bleiben“ durch Handauflegen loben. Entspannt lässt sich der Hund leichter anleinen. Nach dem Anleinen, kann er den Hund weiterhin kurze Zeit im „Platz“ oder „Sitz“ belassen, ihn erneut loben und ihn erst dann zum Spazierengehen auffordern.Unterordnungsübungen, dienen ebenfalls dem Stärken der Bindung, dem Entspannen und dem Gehorsam.Sie zählen zu den Grundlagen der Hundeerziehung und erleichtern den Umgang mit alltäglichen Situationen.
  5. klare Anweisungen und kurze Befehle: Ein Hund kann unsere Sprache nur bedingt verstehen. Lange Sätze und unklar formulierte Befehle versteht er nicht. Klare, kurze Anweisungen und/oder der Ruf des Namens versteht der Hund besser und kann ausführen was wir von ihm erwarten.
  6. Grenzen setzen und bestimmen: Die Aufgabe des Hundeführers ist klar umrissen, wenn wir davon ausgehen, dass er dem Hund Grenzen setzen, ihm Sicherheit bieten und das Kommando behalten muss. Dies muss ruhig und mit Bestimmtheit erfolgen. Der Hundeführer muss hörbar meinen was er sagt, denn nur dann begreift der Hund den Ernst der Lage und akzeptiert die Forderung des Rudelführers.
Bindung zum erwachsenen Hund aufbauen infografik

Welche Fehler muss ich vermeiden?

Da ausgewachsene Hunde in vielen Fällen mit schlechten Erfahrungen und Ängsten kämpfen muss der neue Hundeführer beim Aufbau einer engen Bindung folgende Fehler dringend vermeiden:

  • erzwingen von Zärtlichkeit oder Gehorsam
  • inkonsequentes Verhalten unsererseits
  • zu hohe Erwartungen an den Hund stellen

Bindung zum erwachsenen Hund aufbauen – Fazit

Eine enge Vertrautheit stellt sich langsam und mit der Zeit ein, wenn beide Parteien aufmerksam auf die jeweils andere acht geben.

Hunde beobachten ihre Menschen genau und nehmen kleinste Veränderungen in deren Verhalten wahr. Sie schätzen uns ein und versuchen zu erahnen, was wir gerade vorhaben und oder tun wollen.

Es liegt an uns, unseren Hunden zu beweisen wie gut wir uns als Rudelführer eignen und ob wir eine enge Bindung zum Hund zulassen wollen. Hunde erweisen sich bei geduldiger, ruhiger Behandlung als wenig nachtragend und gehen in vielen Fällen bereitwillig eine neue Bindung ein.

Wichtig erscheint dabei unsere Bereitschaft, dem Tier zu zeigen, dass wir es besser machen und es annehmen mit seinen Fehlern und Ängsten. Das wir ihm beim Überwinden der Ängste helfen und ihm mit Liebe, Verständnis und Konsequenz begegnen.


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